O TYM ODCINKU
(00:01:49) Weshalb Schönheit politisch ist
(00:05:20) Wie mit Schönheitsidealen neue Märkte geschaffen werden
(00:07:01) Über Elisabeth Lechners Buch „Riot, don’t diet!“
(00:11:09) Neuer Skinny-Trend: Wieso Body Positivity wieder kleiner wird
(00:14:45) Social Media und KI: Einfluss auf unsere Körperwahrnehmung
(00:18:28) Body Freedom: Weniger Relevanz von Körperbildern
(00:24:47) Umsetzungsmöglichkeiten für mehr Body Neutrality
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TRANSKRYPCJA 🔗
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Schönheit ist immer eine Frage des Geschmacks. Na, nicht unbedingt. Oder sagen
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wir mal so: nicht nur. Denn Schönheit ist auch ein System und
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außerdem eine Frage von Macht. Wieso, weshalb, warum? Das erkunden wir in
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dieser Episode und in den nächsten Wochen hier in unserer Reihe zum
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Thema Schönheit. Schön, dass ihr dabei seid! Ich bin Christian Bollert und
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da gehen wir mal rein. Der Brand eins Podcast: Wirtschaft anders denken. Jede
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Woche bei detektor.fm. Wer gut aussieht, gilt meist auch als diszipliniert,
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erfolgreich, begehrenswert und gesund. Wer hingegen nicht in dieses Bild passt, bekommt
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oft das Gegenteil zugeschrieben: zu viel, zu laut, zu alt, zu dick,
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zu queer, zu sichtbar oder auch vielleicht nicht sichtbar genug. Schönheit wirkt
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viel tiefer in unseren Alltag hinein, als es für viele von uns
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auf den ersten Blick so scheint. Denn es geht um Zugehörigkeit, um
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Arbeit, um Anerkennung, um Geschlecht, Herkunft, Alter, Behinderung und um Macht. Ich
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habe es schon angesprochen: Denn Schönheitsideale entstehen nicht zufällig. Sie werden genutzt,
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geprägt, verkauft, gefiltert, algorithmisch verstärkt und politisch aufgeladen. Elisabeth Lechner hat in
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Wien Anglistik und Slavistik studiert und zu ekligen weiblichen Körpern, Pop-Feminismus
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und digitalen Aktivismen promoviert. Sie beschäftigt sich also schon seit vielen Jahren
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mit verschiedenen Aspekten des Themas Schönheit. Mittlerweile lehrt und forscht sie an
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der Universität Wien an der Schnittstelle von Literatur und Kulturwissenschaft, Popkulturstudien,
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feministischer Medienwissenschaft, Gender und Body Studies. Außerdem publiziert sie wissenschaftlich und essayistisch
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und gibt Workshops zu Medienkompetenz, Feminismus, Body Positivity, Body Shaming und Lokismus.
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Sprechen wir also über Körper und Schönheit. Servus nach Wien und herzlich
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willkommen im Brand eins Podcast, Frau Lechner. Ja, hallo, vielen Dank für die
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Einladung. Ist denn Schönheit politisch? Ja, ich würde sagen, zutiefst. Und die
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Hauptgründe dafür wurden in der Einleitung ja schon gut aufgezählt. Also wenn
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mir gesagt wird, Schönheit sei ein oberflächliches Thema, gerne auch noch mit
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dem Nachsatz, dass ich ja wohl nur Frauen betreffe, dann würde ich
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sehr schnell kontern, dass wir es, wenn wir über Schönheit nachdenken und
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versuchen, Schönheit in unserer heutigen Gesellschaft vor allem zu verstehen, sehr schnell
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mit Patriarchat, Kapitalismus und Kolonialismus konfrontiert sind und den Machtstrukturen, die das
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was wir für schön halten, eigentlich bestimmen. Das heißt, ich glaube, da
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handelt es sich gar nicht um oberflächliche Fragen. Und vielleicht einleitend noch:
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Ich versuche auch immer mehr, von Schönheit als Problem für Partizipation und
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Demokratie zu sprechen, weil Menschen, die immer nur das Gefühl bekommen, nie
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genug zu sein, immer falsch zu sein mit ihrem Körper, also nicht
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akzeptabel zu sein, sich ganz oft aus gesellschaftlichen Zusammenhängen zurückziehen. Und ich
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glaube, das können wir uns in einer Zeit mehrfacher Krisen auf keinen
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Fall leisten, all diese Menschen mit ihren Potenzialen zu verlieren. Warum ist
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das denn so? Ja, ich denke, weil die Nachteile, also es handelt
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sich, würde ich hier eingangs betonen, jedenfalls nicht um eine individuelle Form
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von Eitelkeit oder um eine Schwäche, dass man diesem Druck nicht standhalten
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kann, sondern zutiefst in unsere Gesellschaft eingeschriebene Strukturen, die dazu führen, dass
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der junge, dünne, weiße Körper als die Norm gilt, mit der sehr
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viele Vorteile hinhergehen, wirklich in allen Lebenslagen. Das bedeutet ganz offensichtlich, zum
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Beispiel bei der Partnerinnensuche ganz krass, aber auch am Arbeitsmarkt, bei der
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Gesundheitsversorgung, schon im Bildungssystem, bei der Wohnungsvergabe, sogar bei Gerichtsprozessen gibt es
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Studien aus den USA, die belegen, dass jene Menschen, die als Norm
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schön gelten, die gelinderen Strafen bekommen, während all jene, die als hässlich
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oder gar eklig gelten, Nachteile in eben jenen Bereichen haben. Und damit
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ist es dann der Wunsch, nach Normschönheit zu streben oder ihr zumindest
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näher zu kommen, absolut kein Eitelkeitsprojekt, sondern ganz oft eigentlich der Wunsch
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dazu zu gehören, in der Masse unterzugehen und dieses Privileg der Unsichtbarkeit
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zu erhalten. Also dieses X vom eigenen Rücken wegzunehmen, dass man als
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anders positioniert wird und als vermeintlich falsch. Wo kommt denn dieses X
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her? Wer produziert das denn? Das ist natürlich eine große und ganz
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schwierige Frage. Da wirken unterschiedliche AkteurInnen zusammen. Ich meine, ganz offensichtlich ist
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die Schönheitsindustrie zu nennen, die immer neue Unsicherheiten, immer neue sogenannte Problemzonen
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schafft, um immer neue Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Also man braucht
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sich nur anschauen, welche Körperteile immer wieder neu beschämt werden, wo man
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gar nicht drauf kommt, dass die ein Problem sein könnten. Aber so
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wird das sehr gerne dann dargestellt. Darüber hinaus haben natürlich aber auch
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die großen Erzählungen, die unsere Gesellschaft prägen, einen Einfluss. Wenn wir uns
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ansehen, in der Popkultur, wer hat da die Rolle des Protagonisten, der
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Protagonistin? Wer hat das glückliche Leben und bekommt ganz klassisch in der
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Rom-Com, in der Romantic Comedy, wer hat dann das Happy End
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und wer ist vielleicht in dem Fall die dicke Freundin, die daneben
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steht, stolpert, über die man lacht und der dieser Rolle eben fast
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nie zukommt. Und das heißt, es ist absolut kein Wunder, unserer Sozialisierung
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gemäß, dass man nach bestimmten Idealen strebt. Stimmt denn auch diese These
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dass wir, wenn wir unzufrieden sind, mehr kaufen? Ich könnte da jetzt
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keine empirischen Daten nennen, aber ich denke, dass sozusagen das, was ganz
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gemeinhin auf sozialen Medien "Retail Therapy" genannt wird, also der Wunsch, bestimmten
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Mängeln mit dem Kauf von Produkten zu begegnen, auf jeden Fall unzugeriert
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wird als ein Lösungsweg. Also wenn man sich Werbungen ansieht, dann strebt
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man ja nicht nur danach, dieses Produkt zu besitzen, sondern alles, was
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mit dem Produkt zusammenhängt. Also Anerkennung, Erfolg in Anbahnung von Beziehungen, Erfolg
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im Beruf etc. etc. Ja, aber wenn man sich mal so anguckt,
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was die Kosmetik- und Schönheitsindustrie so allgemein verkauft, dann ist es
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ja eben nicht direkt Schönheit, sondern Lösung für Probleme: Verhalten, Körper, Haare,
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Gewicht, Haut, Alter, Beruf. Sie haben es angesprochen. Also vielleicht ist Charme
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doch so eine Art Geschäftsmodell. Ja, jedenfalls. Genau, das würde ich sagen,
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dass die Beschämung, die aktive Beschämung von immer neuen Körperteilen, also die
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Parzellierung des Körpers in immer kleinere Regionen, dass man den Körper also
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gar nicht als Ganzes wahrnimmt und sieht dafür und wahrnimmt, dafür was
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er eigentlich leistet, dass er uns Zugang zur Welt ermöglicht, sondern wirklich
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nur als Rohstoff zur Selbstoptimierung und als Oberfläche, aus der man doch
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noch viel mehr herausholen könnte, so wird suggeriert. Ist es die individuelle
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Verantwortung? Das haben wir auf jeden Fall mit der Werbe- und
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Schönheitsindustrie. Sehen wir das immer stärker. Und in den letzten Jahren natürlich
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auch noch durch Filter und die Möglichkeiten, ganz viele Bilder von uns
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selbst zu machen mit Handykameras und diese auch noch nachzubearbeiten, sicherlich noch
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verstärkt. Darauf werden wir sicher noch eingehen, auf die Rolle von Social
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Media und Algorithmen. Eines Ihrer bekanntesten Bücher heißt «Why it don't diet».
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Was ist denn die Idee dahinter? Die Idee dahinter versuche ich im
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Untertitel auszudrücken, der heißt nämlich «Aufstand der widerspenstigen Körper». Es ging mir
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darum auszudrücken, dass Schönheit, wie eingangs schon kurz angesprochen, nicht nur ein
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sehr lukratives Geschäftsmodell ist, sondern auch eine Form von patriarchaler Kontrolle, besonders
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über Frauenkörper, aber auch über queere Körper. Denn Schönheit ist auch ganz
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tief eingeschrieben das immer wieder Herstellen einer zweigeschlechtlichen Norm, in der es
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nur Frauen gibt und Männer, die einem bestimmten, sich komplementär ergänzenden Ideal
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zu entsprechen haben. Und die Idee ist, dass man versucht, all diese
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Unsicherheiten, die uns eingeredet werden, nicht in sich selbst zu suchen und
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mit eben jenen Produkten, die einem eingeredet werden, zu beheben, sondern vielmehr
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den Blick zu wechseln und in Richtung der Strukturen zu lenken, die
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uns diese Unsicherheit überhaupt erst einreden. Das heißt, ich habe eigentlich versucht,
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mit diesem «Why it don't diet» die Potenziale zu heben, die eine
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solidarische Schönheitsrevolution, wenn man das ein bisschen großkotzig formulieren möchte, vielleicht ja
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die sie freisetzen könnte. Die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Elisabeth Lechner beim Podcast
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Radio detektor.fm. Und wir sprechen in dieser Episode noch weiter über
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möglicherweise solidarische Revolutionen und auch die Frage, was dieser Body-Positivity-Trend
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eigentlich ausgelöst hat. Frau Lechner, wenn man sich in den vergangenen Jahren
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mal das angeschaut hat, gerade Ende der 10er Jahre, dann konnte man
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ja schon den Eindruck gewinnen, dass gerade auch beispielsweise große Marken dieses
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ganze Thema Body Positivity doch durchaus für sich entdeckt haben. Im ersten
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Moment erschien das ja als Fortschritt, oder nicht? Das würde ich auch
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so sehen. Also in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre haben wir
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den Höhepunkt der Body-Positivity-Bewegung erlebt, die, wie ich in meiner
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Forschung gerne sage, dem Prinzip der minimalen Abweichung eigentlich entsprochen hat. Damit
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möchte ich sagen, dass wir auch in der zweiten Hälfte der 2010er
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Jahre trotz dieses wahrgenommenen Fortschritts jetzt nicht das Eldorado der radikalen Körperakzeptanz
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und der radikalen Inklusion gesehen haben, sondern wir haben gesehen, dass eine
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kommerziell verträgliche Vielfalt Raum gegriffen hat. Das war im Vergleich zu den
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2000er Jahren, in denen ich Teenager war, auch schon ein großer Fortschritt.
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Da gab es das nicht. Und da hatten natürlich auch soziale Medien
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und das Internet einen großen Beitrag dazu geleistet. Gleichermaßen haben wir viel
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mehr gesehen, zum Beispiel von perfekten Plus-Size-Models mit der Sandu
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Figur, die einen großen Busen hatte, einen großen Hintern, aber einen ganz
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flachen Bauch, einen ganz schlanken Hals, ein schlankes Gesicht, die perfekte Schminke,
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die der heteronormativen Vorstellung einer attraktiven Frau entspricht: die langen Haare, natürlich
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keine Körperbehaarung. Also alles, was irgendwie als anders wahrgenommen wurde, war unter
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Kontrolle. Nur durfte man ein bisschen, sofern man das Fett an den
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richtigen Stellen hatte, wie das gerne kommuniziert wurde, das durfte es sein.
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Und ich möchte nicht zu zynisch klingen, auch das waren Fortschritte und
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Repräsentation ist ganz wichtig. Aus den US-Bewegungen kennt man dieses aktivistische
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Sprichwort: "You can't be what you can't see." Und ich glaube, es
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erinnern sich sicher viele ZuhörerInnen, als zum Beispiel das erste Mal Ariel
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schwarz war und Mädchen wirklich vorm Fernseher geweint haben und gesagt haben:
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"Wow, die hat dieselben Haare wie ich oder den selben Hautton wie
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ich." Das hat Vorstellungsräume ermöglicht. Und wenn es jetzt nicht um
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Disney-Prinzessinnen geht, die im Meer herumschwimmen und dann den Prinzen abbekommen,
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sondern viel wichtiger noch um Frauen in politischen Führungsrollen, in gesellschaftlichen verantwortlichen
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Rollen, ist das natürlich noch sehr viel bedeutungstragender. Aber es wundert mich
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persönlich nicht, dass das Pendel gerade in die andere Richtung zurückschlägt, weil
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eben nicht der Grundsatz radikaler Inklusion und Akzeptanz aller Körper in ihrem
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Da und So-Sein vorgeherrscht hat, sondern immer nur so viel möglich
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war, wie sich gerade noch verkauft hat. Und das heißt, es sind
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sehr viele Körper, die als vermeintlich zu eklig wahrgenommen wurden, weiterhin keineswegs
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gezeigt worden. Warum schlägt denn das Pendel seit ein paar Monaten zurück?
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Also beispielsweise, wenn man auf Laufstege guckt und so, ist ja wirklich
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wieder Skinny und so was voll angesagt. Ja, das kann ich absolut
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bestätigen. Da gibt es auch von der Vogue einen Report. Also wir
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sehen gerade auf den Laufstegen wirklich gar keine Diversität mehr. Und auch
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in der Popkultur haben ganz sicher viele mitbekommen: Lizzo hat jetzt auch
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ihren Weight Release, nicht Weight Loss, also sie hat sich so befreit
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von ihrem Gewicht gepostet. Und sogar Serena Williams bewirbt jetzt Abnehmspritzen. Also
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wir sehen, der Druck gerade auch auf schwarze Frauen muss wahnsinnig groß
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sein. Und ich würde sagen, die drei Hauptgründe, die man nennen kann,
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sind auf jeden Fall Entwicklungen rund um Filter und KI, also der
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Umstand, dass wir nur mit wahnsinnig perfekten Körpern und Gesichtern umgeben sind
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bei unseren Bildschirmen, Zeiten von mehreren Stunden am Tag, auf jeden Fall
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glaube ich, ist das ein wichtiger Rahmen dafür, wie wir unser eigenes
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Gesicht im Spiegel wahrnehmen. Zweitens muss man die bereits kurz erwähnten Abnehmspritzen
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ins Rennen führen, die medizinisch, glaube ich, sehr ambivalent zu betrachten sind,
00:12:13.000 --> 00:12:17.000
jedenfalls aber in Sachen Körperpolitiken dazu geführt haben, dass ein dünnes Ideal
00:12:17.000 --> 00:12:23.000
wieder vorherrscht. Und drittens, glaube ich, spielt dieses erstarrte, junge, fitte, weiße
00:12:23.000 --> 00:12:30.000
Ideal durchaus auch in die großen Erfolge rechtspopulistischer und rechtsradikaler Parteien hinein,
00:12:30.000 --> 00:12:35.000
deren Vorstellungen vom einzig akzeptablen Körper, gerade wenn es um Frauenkörper geht,
00:12:36.000 --> 00:12:40.000
sehr schnell auch verschwimmen damit, was als akzeptables Frauenleben gilt und wer
00:12:40.000 --> 00:12:44.000
nun als richtiger Körper gilt und nicht. Und wir haben gerade auch
00:12:44.000 --> 00:12:47.000
in den USA gesehen, wie schnell sich das wirklich aktiv in Hass
00:12:47.000 --> 00:12:51.000
und Gewalt, zum Beispiel gegen queere Menschen, äußern kann. Aber auch ganz
00:12:51.000 --> 00:12:55.000
stark, das sei unbedingt explizit erwähnt, gegen Menschen mit Behinderungen richten kann.
00:12:56.000 --> 00:13:00.000
Und da ist man dann sehr schnell wieder in faschistischen Körperlogiken, obwohl
00:13:00.000 --> 00:13:05.000
ich mit diesem Begriff sehr vorsichtig umgehe. Aber wenn Menschen, die einem
00:13:05.000 --> 00:13:13.000
bestimmten normativen Leistungsanspruch nicht genügen, als nicht akzeptabel gelten, dann sind wir
00:13:13.000 --> 00:13:17.000
sehr schnell in sehr gefährlichen Gewässern. Also würden Sie so weit gehen
00:13:17.000 --> 00:13:22.000
und sagen, dass dieser durchaus zu beobachtende politische Backlash, mindestens seit Trump
00:13:22.000 --> 00:13:27.000
2, auch Folgen hat für die Schönheitsideale? Ja, genau das versuche ich
00:13:27.000 --> 00:13:32.000
zu sagen. Ich sehe da Zusammenhänge, keine sofortigen Kausalen. Aber ich glaube,
00:13:32.000 --> 00:13:37.000
zum Beispiel, dass man das gut ausdrücken kann durch ein Beispiel. Es
00:13:37.000 --> 00:13:42.000
erinnern sich sicherlich ganz viele ZuhörerInnen an diese Werbung mit Sidney Sweeney,
00:13:42.000 --> 00:13:47.000
einer jungen, wahnsinnig schönen US-Schauspielerin, die eine Jeans-Werbung gemacht hat,
00:13:47.000 --> 00:13:51.000
bei der ein Wortspiel auf Englisch mit Genen und Jeans gemacht wurde.
00:13:52.000 --> 00:13:56.000
Also: "Sidney Sweeney's got good jeans." Das konnte man übersetzen als: "Sie
00:13:56.000 --> 00:14:00.000
hat coole Jeans an" oder "sie hat gute Gene." Und dann würde
00:14:00.000 --> 00:14:05.000
ich dem jetzt nicht sofort eine eugenische Komponente zuschreiben. Aber die Frage,
00:14:06.000 --> 00:14:10.000
wo sozusagen der Bruch ist, den die Werbung immer braucht, wo der
00:14:10.000 --> 00:14:14.000
Aufreger ist, der war in den letzten Jahren ganz woanders, nämlich dieses
00:14:14.000 --> 00:14:18.000
Spiel mit rechten Logiken, als er in den 2010er Jahren war. Da
00:14:18.000 --> 00:14:22.000
war der Bruch: Wir trauen uns, die kleine Speckrolle zu zeigen. Wir
00:14:22.000 --> 00:14:26.000
trauen uns auch, an Frauenkörpern die Körperbehaarung zu zeigen. Während in den
00:14:26.000 --> 00:14:33.000
2010er Jahren diese inklusive, immer noch kommerziell verträgliche, aber doch inklusive Grenzüberschreitung
00:14:33.000 --> 00:14:38.000
zentral war, sehen wir jetzt wieder ein Spiel mit der sehr exklusiven
00:14:38.000 --> 00:14:41.000
Norm. Und ich glaube, da sehen wir sehr gut, wie sich auch
00:14:41.000 --> 00:14:45.000
die Diskursräume verändert haben in den letzten Jahren. Dann blicken wir auf
00:14:45.000 --> 00:14:49.000
den zweiten Aspekt, den Sie angesprochen haben: die Rolle von Filtern, Social
00:14:49.000 --> 00:14:54.000
Media, KI-generierten Bildern, möglicherweise aber auch so etwas relativ Profanen wie
00:14:54.000 --> 00:14:59.000
Videokonferenzen, wo wir alle ständig irgendwie uns selber sehen mittlerweile. Was macht
00:14:59.000 --> 00:15:03.000
das aus Ihrer Sicht in den letzten fünf, sechs Jahren? Ja, das
00:15:03.000 --> 00:15:07.000
glaube ich, hat unseren Alltag sehr stark verändert, wie wir uns durch
00:15:07.000 --> 00:15:11.000
den Alltag bewegen, wie wir einander begegnen. Und ich bin jetzt wirklich
00:15:11.000 --> 00:15:16.000
kein Fan von einem Einbahnstraßenmodell von Mediennutzung, wo man sich ansieht: Okay,
00:15:16.000 --> 00:15:20.000
man sitzt vor dem Handy, man bekommt in so ganz kleinen Studien
00:15:20.000 --> 00:15:24.000
Bilder von perfekten Körpern gezeigt und dann kommt überraschenderweise raus, wenn man
00:15:24.000 --> 00:15:27.000
sich das zwei Stunden anschaut, dass man danach ein schlechteres Körperempfinden hat.
00:15:27.000 --> 00:15:31.000
Also so ein einfaches Modell von Mediennutzung bin ich kein großer Fan,
00:15:31.000 --> 00:15:36.000
weil ich glaube, dass das sehr passive Nutzerinnen voraussetzt, auf die Inhalte
00:15:36.000 --> 00:15:39.000
nur so einprasseln und man kann gar nichts machen. Also ich bin
00:15:39.000 --> 00:15:45.000
eine große Verfechterin von kritischer Medienkompetenz und einem kritisch-systemischen Verständnis von
00:15:45.000 --> 00:15:49.000
den Medien, auf denen wir uns bewegen und zu denen wir auch
00:15:49.000 --> 00:15:57.000
ganz aktiv selber beitragen. Gleichermaßen, wenn unsere Bildschirmzeit sechs, acht, zehn, zwölf
00:15:57.000 --> 00:16:00.000
Stunden beträgt – ich habe wirklich in Schulen bei Workshops, die ich
00:16:00.000 --> 00:16:04.000
gemacht habe, schon alles gehört – dann wundert einen nicht, dass natürlich
00:16:04.000 --> 00:16:10.000
der eigene, notwendigerweise menschlich immer mangelhafte Körper, der mit dem einfach nicht
00:16:10.000 --> 00:16:15.000
mithalten kann, als ungenügend wahrgenommen wird. Es klingt ja wirklich so, als
00:16:15.000 --> 00:16:18.000
ob wir hier fast mit einem Perfect Storm zu tun haben. Also
00:16:18.000 --> 00:16:23.000
nehmen wir mal die Schlagwörter: Social Media, rechtspopulistischer Backlash und dann noch
00:16:23.000 --> 00:16:27.000
pharmazeutischer Fortschritt wie die Abnehmspritze. Das passt ja dann tatsächlich sehr gut
00:16:27.000 --> 00:16:30.000
in diese Erzählung. Dann kann ich meinen Körper noch besser in diese
00:16:30.000 --> 00:16:34.000
Richtung bringen und so weiter. Und dann nehmen eben nicht nur Hollywoodstars
00:16:34.000 --> 00:16:38.000
irgendwelche Abnehmspritzen, sondern auch der Kollege um die Ecke. Absolut. Und ich
00:16:38.000 --> 00:16:42.000
denke, ja, ich würde sagen, das ist durchaus auch meine Analyse. Die
00:16:42.000 --> 00:16:48.000
ist keinesfalls hoffnungslos, aber sie versucht durch einen pragmatischen Blick auf das,
00:16:49.000 --> 00:16:53.000
was uns begegnet, zuerst mal zu verstehen und dann daraus abzuleiten, wie
00:16:53.000 --> 00:16:56.000
wir Lösungen finden können. Also ich glaube, mir ist ganz wichtig, noch
00:16:56.000 --> 00:17:00.000
hier zu betonen, weil die Hollywoodstars erwähnt wurden, dass die Frage danach,
00:17:00.000 --> 00:17:06.000
wer größere Möglichkeiten hat, den eigenen Körper entsprechend herrschender oder eigener Vorstellungen
00:17:06.000 --> 00:17:11.000
zuzurichten, natürlich diejenigen sind, die mehr Geld haben, ja, die mehr Zeit
00:17:11.000 --> 00:17:15.000
haben, die mehr Ressourcen haben. Es sind immer diejenigen, die sehr privilegiert
00:17:15.000 --> 00:17:20.000
sind, die größere Möglichkeiten haben, den eigenen Körper zuzurichten, als jetzt beispielsweise
00:17:20.000 --> 00:17:25.000
eine alleinerziehende Mutter, die vielleicht nicht die Kinderbetreuung hat, um ins Fitnessstudio
00:17:25.000 --> 00:17:29.000
zu gehen, die sich nicht die Top-Bio-Lebensmittel leisten kann, weil
00:17:29.000 --> 00:17:33.000
sie einfach bei dieser verrückten Inflation viel zu teuer geworden sind, weil
00:17:33.000 --> 00:17:37.000
sie ohnehin schon mit dem Alltag struggelt und dementsprechend vermutlich nicht diesen
00:17:37.000 --> 00:17:41.000
Fokus auf die Optimierung ihres Körpers hat oder unter dem Druck, dem
00:17:41.000 --> 00:17:44.000
nicht zu genügen, dann noch stärker leidet, weil es ja einfach materiell
00:17:44.000 --> 00:17:47.000
nicht möglich ist. Also ich glaube, das ist noch eine ganz wichtige
00:17:47.000 --> 00:17:52.000
Komponente, die in der Analyse noch gefehlt hat, dass auf allen derselbe
00:17:52.000 --> 00:17:56.000
Druck lastet, einem bestimmten Ideal zu entsprechen, aber die Chancen, dem zumindest
00:17:56.000 --> 00:18:01.000
nahezukommen, je nachdem, was die eigene Ausgangslage ist, für manche sehr viel
00:18:01.000 --> 00:18:05.000
größer ist als für andere. Das ist noch eine zusätzliche Ungerechtigkeitskomponente. Ja,
00:18:05.000 --> 00:18:07.000
das ist auch eine soziale Frage, weil klar, dann kann ich mir
00:18:07.000 --> 00:18:11.000
die Botox-Spritze nicht leisten für 250 oder 500 Euro immer wieder,
00:18:11.000 --> 00:18:14.000
weil Botox ist ja wie ein Abo-Modell von Schönheit. Absolut. Das
00:18:14.000 --> 00:18:19.000
muss man alle Quartale immer wieder auffrischen lassen. Elisabeth Lechner, Autorin des
00:18:19.000 --> 00:18:25.000
Sachbuchs «Why it don't diet: Aufstand der widerspenstigen Körper» im Brand eins Podcast.
00:18:25.000 --> 00:18:29.000
Und hier geht's gleich weiter. Frau Lechner, jetzt haben Sie schon angesprochen:
00:18:29.000 --> 00:18:32.000
Es gibt aber auch Sachen, die Ihnen Mut machen. Wie kommen wir
00:18:32.000 --> 00:18:35.000
denn vielleicht weiter? Wie können wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln aus Ihrer
00:18:35.000 --> 00:18:41.000
Perspektive? Also wonach ich strebe, ist oder das Modell, das ich vorschlagen
00:18:41.000 --> 00:18:44.000
würde, ist überhaupt nicht, dass wir alle Körper in ihrer Schönheit abfeiern.
00:18:45.000 --> 00:18:50.000
Das kann durchaus in manchen Kontexten auch künstlerisch, politisch super relevant sein.
00:18:50.000 --> 00:18:55.000
Aber ich wünsche mir eigentlich so einen Zugang von Körperfreiheit, Bodyfreedom, dass
00:18:55.000 --> 00:18:59.000
alle einfach sein können, wie sie sind. Das ist dem Prinzip der
00:18:59.000 --> 00:19:05.000
Bodyneutrality eigentlich entsprechend, die im Gegensatz zur Bodypositivity, die doch den Fokus
00:19:05.000 --> 00:19:09.000
auf das Schöne zu verschieben versucht und sagt: Ja, wir brauchen hier
00:19:09.000 --> 00:19:14.000
einen inklusiveren Schönheitsbegriff. In einer Gesellschaft, die so stark aufgrund des Äußeren
00:19:14.000 --> 00:19:18.000
differenziert ist, das ist ein ganz wichtiger Schritt. Ich wünsche mir aber
00:19:18.000 --> 00:19:22.000
darüber hinaus, dass dieser große Druck wegfällt. Also auch wenn ich mit
00:19:22.000 --> 00:19:26.000
Jugendlichen arbeite, dann merkt man richtig: Die Pubertät ist ohnehin für die
00:19:26.000 --> 00:19:33.000
allermeisten eine herausfordernde Erfahrung, aber besonders Marginalisierte empfinden einen so riesigen Druck
00:19:33.000 --> 00:19:36.000
und haben dann nicht nur das Gefühl, nicht zur Party gehen zu
00:19:36.000 --> 00:19:41.000
können oder zum Schwimmbad, wo einem freudvolle gemeinsame Erfahrungen verloren gehen, sondern
00:19:41.000 --> 00:19:45.000
sich eben auch nicht zu melden für das Traumpraktikum. Naja, so wird
00:19:45.000 --> 00:19:49.000
mir niemand zutrauen, Journalistin zu werden oder Ähnliches. Und ich denke, da
00:19:49.000 --> 00:19:54.000
gehen uns einfach Riesenpotenziale verloren. Und ich glaube, der erste zentrale Schritt
00:19:54.000 --> 00:20:00.000
um da hinzukommen, ist dieses systemische Verständnis von Schönheit als Geschäftsmodell, als
00:20:00.000 --> 00:20:07.000
Ausdruck patriarchaler Kontrolle und ein Verständnis davon, dass man nie individuell schlecht
00:20:07.000 --> 00:20:12.000
ist, nicht genügend, der Körper falsch wäre, sondern dass allen diese Unsicherheiten
00:20:12.000 --> 00:20:16.000
eingeredet werden und dass man, wenn man sich in Räumen von geteilter
00:20:16.000 --> 00:20:20.000
Verletzlichkeit begegnet, also versucht mal darüber zu sprechen: Wo fühlst du dich
00:20:20.000 --> 00:20:24.000
eigentlich unsicher? Gibt es da vielleicht Dinge, mit denen du auch haderst?
00:20:24.000 --> 00:20:28.000
Darauf kommt, das betrifft alle. Und wenn alle sich hässlich finden, dann
00:20:28.000 --> 00:20:31.000
haben wir es ja wohl mit einem systemischen Problem zu tun. Und
00:20:31.000 --> 00:20:35.000
ich glaube, aus diesem Verständnis heraus können sich wunderbare Formen von gemeinsamen
00:20:35.000 --> 00:20:40.000
Boykotten, solidarischen Protesten und einfach einem gewissen Gefühl von, um es auf
00:20:40.000 --> 00:20:45.000
Wienerisch auszudrücken, Wurstigkeit ergeben, dass man vielleicht nicht sofort zu einer "Ich
00:20:45.000 --> 00:20:49.000
feiere meinen Körper rund um die Uhr"-Einstellung kommt, die glaube ich sowieso nicht
00:20:49.000 --> 00:20:53.000
haltbar ist auf die Dauer, sondern vielmehr einem: "Ja gut, jetzt habe ich ein paar Tage
00:20:53.000 --> 00:20:55.000
meine Beine nicht rasiert. Vielleicht auch nicht so wichtig." Vielleicht also diese Räume für
00:20:55.000 --> 00:21:00.000
Agency, für Handlungsfähigkeit, sich wieder zu erkämpfen und eben ganz wichtig, nicht alleine
00:21:00.000 --> 00:21:10.000
zu bleiben mit dieser Scham und dem Gefühl von Unzulänglichkeit, sondern sich
00:21:10.000 --> 00:21:14.000
mit anderen zusammenzutun. Weil dann wird erstens die Last kleiner, die auf
00:21:14.000 --> 00:21:19.000
den Schultern lastet, und andererseits gewinnt man Handlungsspielräume zurück. Und ich glaube,
00:21:19.000 --> 00:21:22.000
das brauchen wir ganz dringend. Also ich sage mal erst mal gemeinsam
00:21:22.000 --> 00:21:27.000
Bewusstsein schaffen, um zu dieser Wurstigkeit zu kommen. Auf jeden Fall, genau.
00:21:27.000 --> 00:21:29.000
Und da braucht es sehr viel Mut dafür, weil aus dieser Scham
00:21:29.000 --> 00:21:33.000
herauszutreten, die ja dazu führt, dass man ganz rot im Gesicht wird,
00:21:33.000 --> 00:21:38.000
vielleicht stottert, sein Gesicht wirklich verbergen will, man will eigentlich wirklich von
00:21:38.000 --> 00:21:42.000
der Erdoberfläche verschluckt werden. Da muss man sich erst mal trauen zu
00:21:42.000 --> 00:21:45.000
sagen: "Das war jetzt schwer für mich." Besonders, zum Beispiel, das haben
00:21:45.000 --> 00:21:48.000
wir noch nicht erwähnt, auch Jungs leiden immer mehr unter dem Druck,
00:21:49.000 --> 00:21:53.000
zum Beispiel nicht muskulös genug zu sein. Also auch so dieses Jugendwort
00:21:53.000 --> 00:21:59.000
"Lauch", das kann eine ganz vernichtende Beschimpfung sein, weil es suggeriert, dass
00:21:59.000 --> 00:22:04.000
man eben nicht attraktiv genug ist, zum Beispiel eine Freundin zu bekommen,
00:22:04.000 --> 00:22:09.000
ein vernichtendes Urteil in diesen heteronormativen Erzählungen. Oder weil es nicht genug
00:22:09.000 --> 00:22:12.000
ist, um Anerkennung zu bekommen in einer Jungsgruppe. Und dann ist es
00:22:12.000 --> 00:22:16.000
auch für Jungs noch schwieriger, darüber zu sprechen. Das heißt, ich glaube,
00:22:16.000 --> 00:22:20.000
es braucht von allen, die die Möglichkeiten haben, solche Räume von geteilter
00:22:20.000 --> 00:22:26.000
Verletzlichkeit zu schaffen: LehrerInnen, alle Leute, die irgendwie pädagogisch arbeiten, auch Bewusstsein
00:22:26.000 --> 00:22:31.000
bei politischen Parteien und bei allen, die zum Beispiel Nachwuchsförderung machen, Mentoring.
00:22:31.000 --> 00:22:37.000
All diese Menschen brauchen unbedingt ein Verständnis davon, wie ausschließend diese oberflächlichen
00:22:37.000 --> 00:22:42.000
Merkmale sein können und wie groß aber das Potenzial ist in dem
00:22:42.000 --> 00:22:45.000
Zusammenschluss von vielen, die sich als falsch wahrnehmen und die dann lernen,
00:22:46.000 --> 00:22:51.000
die Strukturen zu kritisieren, die uns das überhaupt erst einreden. Nehmen wir
00:22:51.000 --> 00:22:54.000
mal an, wir schaffen das. Es gibt eine große gesellschaftliche Offenheit und
00:22:54.000 --> 00:22:58.000
Transparenz und viele legen da ihre Scham ab und reden darüber. Und
00:22:58.000 --> 00:23:01.000
es gibt ein Bewusstsein auch in Organisationen, die Sie gerade angesprochen haben,
00:23:01.000 --> 00:23:06.000
in der Schule, in den Parteien usw. Was wären denn diese Handlungsspielräume,
00:23:06.000 --> 00:23:10.000
die Sie da andeuten? Ja, ich denke, dass dann alles möglich wäre.
00:23:10.000 --> 00:23:14.000
Also alles, was man sich verboten hat, dass man wirklich so die
00:23:14.000 --> 00:23:19.000
Vorstellungsräume auch ermöglicht. Also ich stelle mir das sehr viel weniger eingeschränkt
00:23:19.000 --> 00:23:24.000
vor. Also ich habe das Gefühl, dass dieser große Druck oft dazu
00:23:24.000 --> 00:23:28.000
führt, dass man sich Dinge verbietet. Das beginnt über Dickenfeindlichkeit, haben wir
00:23:28.000 --> 00:23:32.000
explizit noch gar nicht gesprochen. Das ist ein Riesenthema. Aber das beginnt
00:23:32.000 --> 00:23:36.000
zum Beispiel dabei, dass man sich selbst als dicke Person oft dazu
00:23:36.000 --> 00:23:40.000
gezwungen fühlt, sich zu zensieren, was man isst in der Öffentlichkeit. Man
00:23:40.000 --> 00:23:43.000
fühlt sich gezwungen, einen Salat zu essen, damit man nur ja als
00:23:43.000 --> 00:23:47.000
die Person wahrgenommen wird, die ohnehin ganz bewusste Entscheidungen für das Essen
00:23:47.000 --> 00:23:51.000
trifft. Oder dass man sich überlegt, welche Kleidung hier passend ist. Ja,
00:23:51.000 --> 00:23:56.000
dieser ganze Mental Load, das Nachdenken darüber, wie werde ich als zum
00:23:56.000 --> 00:24:00.000
Beispiel bei einem Vorstellungsgespräch kompetent wahrgenommen? Nur ja nicht zu kurz, nur
00:24:00.000 --> 00:24:03.000
ja nicht zu lang. Die Kleidung, wie soll die Schminke sein? Wie
00:24:03.000 --> 00:24:08.000
muss ich meine Haare machen? Also diese Vorstellungen von, wie entspreche ich
00:24:08.000 --> 00:24:14.000
einer Vorstellung von Professionalität, von akzeptiert werden und von ein Teil der
00:24:14.000 --> 00:24:17.000
Gesellschaft sein dürfen. Ja, die sind, gerade wenn es um den Kontext
00:24:17.000 --> 00:24:24.000
Rassismus geht, zum Beispiel, es ist einfach eine unfassbare Ungerechtigkeit, dass schwarze
00:24:24.000 --> 00:24:29.000
Menschen wissen, wenn die Haare gekräuselt sind, wird man als professionell gelesen,
00:24:29.000 --> 00:24:32.000
als mit einem Afro. Warum ist das so? Warum arbeiten wir nicht
00:24:32.000 --> 00:24:38.000
daran, Rassismen loszuwerden in den Köpfen der Menschen, anstatt Menschen dazu zu
00:24:38.000 --> 00:24:41.000
bringen, sich anzupassen an ein Ideal, dem man nie ganz entsprechen wird
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können? Und genau dieses Umdenken würde, glaube ich, sehr große Freiräume schaffen
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in wirklich allen Lebensbereichen. Wie können wir das denn vielleicht in kleinen
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Schritten auch schaffen? Also ich sage jetzt mal ganz platt, im Alltag
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diese Wurschtigkeit vielleicht hinzubekommen. Ja, also ich glaube, man kann durchaus austesten,
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was da möglich ist. Und es wird unterschiedliche Handlungsspielräume je nach gesellschaftlicher
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Positioniertheit geben. Da gibt es von Brianne Farr ein ganz spannendes Experiment
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aus Australien, bei dem alle Studierenden, die bei dem Seminar mitgemacht haben,
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gefragt wurden, alle Körperbehaarung so wachsen zu lassen, wie sie ihnen eben
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wächst. Und da gab es dann aus dem Umfeld unterschiedlicher Studierender sehr
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unterschiedliche Reaktionen. Also während es bei weißen Studentinnen so war, dass die
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Partner in Heterobeziehungen gesagt haben: „Na ja, ästhetisch weiß ich jetzt nicht“,
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war es zum Beispiel bei schwarzen und armutsbetroffenen TeilnehmerInnen so, dass das
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Umfeld wirklich gesagt hat: „Ich mache mir Sorgen um dich. Wenn du
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deine Körperbehaarung nicht entfernst, machst du dich zur Zielscheibe“, weil eben diese
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großen, wirklich gewaltvollen Stereotype vorherrschen. Und ich denke, je nachdem, wie man
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positioniert ist – und das wissen, glaube ich, Menschen sehr, sehr genau – gibt
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es aber trotzdem immer Handlungsspielräume. Und vor allem immer, wenn man nicht
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alleine ist. Also wirklich so mit den Freundinnen mal ausprobieren, was passiert,
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wenn man Haare nicht entfernt. Wirklich gar nichts. Oder sich einfach zu
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versuchen zu überlegen: Wie ist mein Verhältnis zu Essen? Mir wird in
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allen Medien die ganze Zeit nur eingeredet: „Du musst dünner sein, du
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musst weniger essen. Wer braucht nicht noch die Abnehmspritze?“ Und wirklich
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zu überlegen: „Wow, vielleicht kann ich mir einen freieren Zugang zu Essen
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erarbeiten. Vielleicht kann ich auch schwierige Inhalte aus sozialen Medien fernhalten und
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mir einfach einen Feed zusammenstellen, der mir alternative Beispiele von Umgang mit
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dem eigenen Körper vorlebt, der mir auch größere Freiheiten erlaubt und so
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weiter. Also ich glaube, da sind der Fantasie in allen Bereichen keine
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Grenzen gesetzt. Und ich glaube, für den Alltag der wichtigste Tipp ist,
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dass man sich von diesen aussehensfokussierten Vorstellungen vom Körper versucht zu lösen,
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so gut es geht. Und ich möchte jetzt wirklich nicht so boomer-mäßig sagen: „Go out and touch some grass“,
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aber ich denke, ganz sinnvoll ist wirklich dieses Instun kommen, also fühlen und tun und den
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Körper lernen zu schätzen als Wahrnehmungsmaschine. Und genau das Medium, das uns
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Zugang zur Welt ermöglicht, sei es in einem Chor, in einer Partei,
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in einer solidarischen Landwirtschaft, in einem künstlerischen Projekt, was immer einem selbst
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Freude und Erfüllung bringt, dass eben nicht dieses ewige Nachdenken über
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den Körper ist. Was uns wirklich, glaube ich, konkret auch im Alltag
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verloren geht, ist einfach sehr viel Zeit, Geld und Ressourcen, die wir
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reinstecken in die Optimierung des Körpers, die wir anders auch nützen könnten.
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Und dafür würde ich auf jeden Fall plädieren, sagt Elisabeth Lechner
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im brand eins Podcast. Und ich sage vielen Dank für das Gespräch und
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für die Impulse. Vielen Dank! Diese Episode ist der Auftakt unserer Reihe
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Schönheit hier im Podcast. Und mit der Schönheit haben sich ja auch
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die Kolleginnen und Kollegen im brand eins Magazin sehr intensiv beschäftigt. Den Link
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zum Heft mit weiterführenden Artikeln und Gedanken findet ihr in den Show
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Notes. Und schön wäre es, wenn ihr uns in eurer Lieblings-Podcast-App folgt, denn das Folgen
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ist eine der einfachsten und effektivsten Arten,
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unsere Arbeit hier zu unterstützen. Wir freuen uns auch über jede und
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jeden, die einen unabhängigen Podcatcher nutzen, so eine unabhängige Podcast-App, und
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das vielleicht auch mal ausprobieren. Dazu zählen z. B. Castro, Overcast, Podcast
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Addict oder auch Pocketcasts. Und beim Aspekt Open Source wäre beispielsweise auch
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Antennapod eine gute Wahl. Kommende Woche spreche ich dann mit der Journalistin
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und Buchautorin Rabia Weiser über den Unterschied zwischen schön und attraktiv und
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ob sich das überhaupt objektiv messen lässt. Also Attraktivität beispielsweise. Das versprechen
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ja mittlerweile einige Apps. Das ist dann also nächste Woche unser Thema
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in der Reihe Schönheit. In diesem Sinne, gern bis dahin. Der brand eins
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Podcast: Wirtschaft anders denken. Jede Woche bei detektor.fm. Der brand eins Podcast
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wird produziert vom Podcast Radio detektor.fm. Redaktion: Stefan Ziegert, Katja Stamm
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und Gerolf Meyer in Zusammenarbeit mit Frank Dahlmann vom brand eins Magazin. Moderation:
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Christian Bollert.