ÜBER DIESE EPISODE
Braucht die Vernunft einen Gott? Wie hilft uns ein Denker von vor 250 Jahren im Zeitalter der KI? Darüber sprechen Johannes zu Eltz, katholischer Priester und ehemaliger Stadtdekan von Frankfurt, und Peter Smeets, Rechtsanwalt in Frankfurt, im Diskurs mit Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Sie geben uns Einblicke, wie Zuhören, gute Argumente und die Suche nach Lösungen weiterhelfen können – für die Schönheit der Vernunft. Informativ, unterhaltsam, klug. Kant starb vor über 200 Jahren – und ist doch aktueller denn je. Kant-Experte Prof. Marcus Willaschek zeigt, warum Kant nicht nur Philosoph, sondern auch Naturwissenschaftler war – seine fast vergessene Nebularhypothese erklärte die Entstehung der Sonnensysteme. Es geht um Rousseaus Einfluss auf seine Ethik, den kategorischen Imperativ beim Klimawandel, seine Widersprüche beim Lügenverbot – und seine blinden Flecken bei Kolonialismus und Frauenrechten. Am Ende steht die Frage, ob eine gerechte Welt ohne Gott denkbar ist.
Zentrale Aussagen
Kant war laut Willaschek kein Pazifist: Das höchste politische Gut sei der Friede, doch ein Staat dürfe sich mit Waffengewalt gegen ungerechte Aggression verteidigen – wie etwa die Ukraine gegen Russland. Beim Lügenverbot weicht Willaschek bewusst von Kant ab: Eine Lüge, die einem Schutzwürdigen hilft und niemandem schadet, müsse nicht nur entschuldigt, sondern gerechtfertigt sein. Kants eigener Satz dazu: "Alles, was ich sage, halte ich auch für wahr. Aber nicht alles, was ich für wahr halte, muss ich auch veröffentlichen." Zum Umgang mit KI zitiert Willaschek einen Guardian-Artikel: "Forget Python, read Plato" – kritisches Denken im Sinne Kants sei gerade im Umgang mit halluzinierender KI unverzichtbar. Auch die Postulatenlehre – Gott als Garant der Gerechtigkeit – überzeugt Willaschek nicht restlos. Und obwohl Kant spät den Kolonialismus scharf kritisierte, blieb er blind für Widersprüche in eigenen Äußerungen über Frauen und Juden: "Da müssen wir mit Kant gegen Kant argumentieren."
Gastgeber
Johannes zu Eltz (römisch-katholischer Priester, Domkapitular des Bistums Limburg, ehemaliger Stadtdekan von Frankfurt am Main) und Peter Smeets (Rechtsanwalt in eigener Kanzlei in Frankfurt am Main).
Eine Audioproduktion von VOX-OVER